Kunst

verwursten

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Vor fünfundvierzig Jahren besuchte in München die Ausstellung eines „Künstlers“ dessen Kunstwerke Bücherwürste waren, die im Ausstellungslokal von der Decke hingen – wie es damals in den Metzgereien üblich war.

Der „Künstler“ verwurstete ausgewählte Werke bekannter Autoren. So hingen da z.B. der Faust, oder der Sommernachtstraum als Würste von der Decke, mit Etiketten versehen und schräg angeschnitten, wie Salami.

Ich amüsierte mich eine Stunde lang und vergass nachher diesen Kunstgenuss wieder, bis ich mich kürzlich wieder daran erinnerte. Obwohl ich lieber die Akropolis wiedersehen möchte als diese Würste, haben mich diese „Kunstwerke“ doch beeinflusst und sich in meinem Unterbewusssein  eingenistet. Sie haben bei mir mehr Spuren hinterlassen als die Nike von Samothrake.

Erst kürzlich ist mir aber ein kapitaler Fehler dieses „Künstlers“ in den Sinn gekommen: In einer Salami steckt nicht nur Eselfleisch sondern unzählige weitere Zutaten. Sinngemäss hätte der „Künstler“ mehrere Bücher verwursten müssen. Es wäre dann z.B. eine Wurst mit dem Etikett „Griechische Philosophen“ entstanden.

Die Technik dieses Künstlers – ich verwende diesmal absichtlich keine Anführungszeichen – findet heute in allen Bereichen unseres „Schaffens“ breite Anwendung. Anstatt das eigene Gehirn einzuschalten wird zuerst einmal losgegoogelt. Man nennt das recherchieren. Das klingt professionell und ersetzt effizient das eigene Denken. Was man zusammen-gegoogelt hat, wird dann zu einer eigenen Arbeit verwurstet.

Es erstaunt mich nur, wenn man einzelnen Menschen – vor allem Politikern – vorhält, sich mit einem Plagiat den Doktortitel erschwindelt zu haben.

So, jetzt muss ich aufhören, denn ich will diesen Beitrag vor dem Erreichen von 500 Wörtern beenden.

 

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